"Da werden die Glocken bimmeln" Hessens Apfelernte leidet - doch der Äppler könnte es in sich haben

Hitze und Trockenheit sorgen in Hessen für eine kleinere Apfelernte. Die Früchte, die den Sommer unbeschadet überstanden haben, sind dafür besonders süß – und könnten für kräftigeren Apfelwein sorgen.

Äpfel hängen an verdorrten Apfelbäumen in der heißen Mittagssonne
Viele Apfelbäume sind vertrocknet. (Archivbild) Bild © IMAGO / Ralph Peters

Apfelbauer Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg in Frankfurt-Nieder-Erlenbach schaut besorgt. Trockenheit und starke Sonneneinstrahlung haben seinen Äpfeln in diesem Sommer stark zugesetzt. "Den Schaden in diesem Jahr würde ich bei der Sorte Goldparmäne auf 50 Prozent ermitteln", sagt er der hessenschau.

Viele Äpfel haben Sonnenbrand

Viele seiner Äpfel weisen nach wochenlanger Sonneneinstrahlung Sonnenbrand auf und sind nicht mehr zu verwenden. Sie bekommen große braune Stellen und fallen dann vom Baum. "Wir Menschen gehen in den Schatten, die Äpfel haben diese Möglichkeit nicht."

Videobeitrag

Maue Apfelernte in Hessen

heruntergefallene Äpfel
Bild © hr
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So wie Schneider geht es vielen Obstbauern in Hessen. "Wir werden definitiv in diesem Jahr weniger Äpfel haben", sagt Esther Wernien vom Hessischen Bauernverband. Wie hoch die Verluste am Ende ausfallen, werde sich erst im Laufe der Ernte zeigen.

Das Ausmaß der Schäden hänge von Sorte und Standort, aber auch vom Alter und Zustand der Bäume ab. Von Sonnenbrand betroffen seien offenbar vor allem Sorten wie Cox Orange oder Elstar.

Bauernverband für Versicherung gegen Extremwetter

Der Wassermangel sorge außerdem für kleinere Früchte, was ebenfalls einen Ertragsrückgang bedeute. "Hier können bei den späten Sorten die aktuellen Regenereignisse noch helfen", sagt die Agrarwissenschaftlerin.

Wegen des voranschreitenden Klimawandels fordert der Bauernverband Versicherungen gegen Ausfälle durch Extremwetterereignisse. "Von der Politik wünschen wir uns, dass sie so etwas auch finanziell unterstützt."

Frühe Reife, frühe Ernte

Auch Sebastian Fetsch, der in Heppenheim-Sonderbach (Bergstraße) zusammen mit seinen Brüdern eine kleine Mosterei betreibt, berichtet von Problemen durch den heißen, trockenen Sommer.

"Wir haben vor allem unsere jüngeren Bäume regelmäßig gießen müssen, damit sie nicht kaputtgehen", sagt er. "Viele Bäume haben Äpfel verloren." Zudem seien die Äpfel früher reif als sonst.

Laut Wernien startet die Ernte in diesem Jahr außergewöhnlich früh. "Die ersten Betriebe sind, glaube ich, schon seit Ende Juli dabei." Äpfel, die es unbeschadet durch den Sommer schaffen, seien dafür besonders süß. "Durch die Sonne konnte dann natürlich auch viel Zucker eingelagert werden."

Äppler lässt die Glocken bimmeln

Und das bedeutet einen hohen Alkoholgehalt im Apfelwein, wie Obstbauer Schneider berichtet. "Wenn wir in den Oktober reinkommen und die Apfelweine keltern, liegen wir bei über 60 Grad Oechsle", sagt er. "Das heißt, die Gäste, die nächstes Jahr in unsere Schoppenwirtschaft kommen, werden die Glocken bimmeln hören."

Redaktion: Uwe Gerritz

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau,

Quelle: hessenschau.de, dpa/lhe

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