Lilien schieben Fehlstart beiseite Tabellenletzter, na und?
Darmstadt 98 ist weiterhin sieglos und grüßt in der Tabelle vom falschen Ende. Trainer Kohfeldt ist dennoch zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg. Aus Gründen.

Drei Spiele, ein Punkt, letzter Platz - dazu bereits zwei Platzverweise. Viel mehr Fehlstart geht nicht. Oder, Herr Kohfeldt? "Nö!" Der Trainer von Fußball-Zweitligist Darmstadt 98 sieht das anders und sagte am ARD-Mikro: "Es bleibt jedem selbst überlassen, das zu bewerten, wie er will. Aber ich bewerte es nicht so. Wir werden noch kommen, da bin ich extrem sicher."
Und Florian Kohfeldt hat ja nicht ganz Unrecht. Natürlich ist die magere Punkteausbeute nicht zufriedenstellend für die Lilien, Vorsicht sollte daher allemal geboten sein, alarmierend aber ist die Lage noch nicht. Vielmehr läuft die Saison für die Südhessen bisher maximal unglücklich. Am Sonntag gegen den ebenfalls schwer in die Spielzeit gestarteten Aufstiegsfavoriten von Hannover 96 (0:1) spielten die Darmstädter guten Fußball. Zumindest 45 Minuten lang. Da hatten sie die deutlich besseren Chancen und verpassten eine klare Führung. Stattdessen: Null zu Null, da war mehr drin.
Vukotic-Reflex kostet wohl Punkte
Das Spezielle daran: Bereits nach 20 Minuten waren die Lilien in Unterzahl geraten, weil Aleksandar Vukotic einen Stellungsfehler reflexhaft mit der Hand korrigieren wollte und einen Hannoveraner Steilpass in bester Volleyball-Manier über die Außenlinie patschte. Darf man nicht, sollte man lassen, vor allem dann, wenn hinter einem viel Wiese und wenig Mitspieler sind. Die Folge: Rote Karte. Eine harte und doch regeltechnisch vertretbare Entscheidung. Dass Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen später argumentierte, der für seine Schnelligkeit "in Deutschland, Europa und der ganzen Welt" bekannte Vukotic-Mitspieler Patric Pfeiffer hätte noch eingreifen können, spielte für Schiedsrichter Timo Gerach offensichtlich keine Rolle.
Überhaupt: Gerach und die Darmstädter wurden keine Freunde an diesem Tag. Immer wieder moserte auch Kohfeldt am Spielfeldrand über die Entscheidungen des Unparteiischen. Hinterher hatte der Coach seine Emotionen dagegen runtergekühlt, sagte nur, dass er "keinen erhöhten Gesprächsbedarf" mehr mit Gerach gesehen habe.
Kohfeldt hebt das Positive
Das Tor des Tages fiel nach einem Elfmeter. Darmstadts Lance Duijvestijn hatte den Ball aus kurzer Distanz an den weit abgespreizten Arm bekommen. Der Pfiff ging in Ordnung, auch wenn Coach Kohfeldt leicht süffisant anmerkte: "Der VAR hat es nach ungefähr 37-minütiger Unterbrechung entschieden, den Schiedsrichter rauszuschicken." Und das zu Recht, wollte man noch anfügen.
Dass die Darmstädter nun schon zum zweiten Mal in Folge ein Spiel lange in Unterzahl bestreiten mussten, hatte zweifelsohne entscheidenden Einfluss aufs Ergebnis. Kohfeldt hob entsprechend lieber das Positive hervor. "Was die Leistung, die Performance, die Mentalität angeht, da bin ich mehr als zufrieden. Wir sind auf einem richtig, richtig guten Weg." Er habe große Fortschritte erkannt, so der Trainer, der insbesondere die individuelle Entwicklung der Neuzugänge hervorhob. Auch Kapitän Schuhen attestierte dem Team eine "aufopferungsvolle Leistung".
Kohfeldt glaubt an den Lilien-Weg
Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Für die beiden Platzverweise in den vergangenen beiden Ligaspielen und damit wohl auch den einen oder anderen verlorenen Punkt waren letztlich individuelle Fehler maßgeblich. In Dresden holte sich Kai Klefisch einen unnötigen Feldverweis ab, nun Vukotic, der am Samstag in Kaiserslautern fehlen wird. Schuhen rechnet auf dem Betzenberg mit einem "hochemotionalen Duell", Kohfeldt mit dem nächsten Schritt seines im Umbruch befindlichen Teams. "Wir sind aus meiner Sicht weiter, als ich es zu diesem Zeitpunkt erwartet habe. Unser Glaube an den Weg ist riesig", sagte Kohfeldt noch. Trotz des letzten Tabellenplatzes.
