Quereinsteiger wird Rathauschef "Alle sind Bürgermeister geworden"

Harry Hegenbarth hat bei der Bürgermeisterwahl in Bensheim geschafft, was nicht vielen gelingt: Der parteilose Kandidat setzte sich im ersten Wahlgang gegen fünf Mitbewerber durch. Der neue Bürgermeister will handeln statt verwalten - hat aber auch Respekt vor dem Amt, denn politische Erfahrung fehlt ihm noch.

Harry Hegenbarth schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Hinter ihm jubeln Menschen.
Harry Hegenbarth am Wahlabend in Bensheim Bild © Johannes Kaiser

Er wird in die Arme geschlossen, beglückwünscht oder zumindest angelächelt: Wo auch immer Harry Hegenbarth in diesen Tagen in Bensheim (Bergstraße) auftaucht, drehen sich die Menschen nach dem frisch gewählten Bürgermeister um.

Sükran Yildiz will gerade ihr Auto ausparken, als sie den schlaksigen 47-Jährigen im weißen T-Shirt erspäht. Nachdem sie gemeinsam ein Selfie geschossen haben, erklärt sie ihre Begeisterung: "Weil er wirklich für alle von klein bis groß, für jeden da sein wird: Davon bin ich total überzeugt."

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Bensheims Bürgermeister – ein Hoffnungsträger

Bürgermeister
Bild © hr
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Ein neuer "Spirit" für Bensheim?

Das Wahlergebnis am 18. August war eindeutig. 58,54 Prozent der Wähler haben ihre Stimme Harry Hegenbarth gegeben. Carmelo Torre (CDU) kam auf 30,5 Prozent, Stefan Juchems (Grüne) auf 5,2 Prozent. Die anderen drei unabhängigen Kandidaten lagen dahinter.

Auf das Wahlergebnis angesprochen, ist Harry Hegenbarth immer noch spürbar überwältigt. Dabei wird er nicht müde zu betonen, "dass quasi alle Bürgermeister und Bürgermeisterinnen wurden in Bensheim und dass wir die Stadt gemeinsam voranbringen."

Der parteilose Bürgermeister will einen neuen "Spirit" in der Stadt haben. Ganz besonders will er sich dabei für Kinder und Jugendliche stark machen, dem Leerstand in der Innenstadt etwas entgegensetzen und angesichts einer angespannten Finanzsituation auf kreative Lösungen setzen.

Bekannt aus der Eventbranche

Harry Hegenbarth war schon bekannt in Bensheim, bevor er im Mai seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt offiziell machte. Damals warf er in einem kurzen Video sprichwörtlich seinen Hut in den Ring - in diesem Fall durch den Ring eines Basketballkorbs.

Hegenbarth hat mehr als 25 Jahre lang die Veranstaltungs-Agentur "Showmaker" geleitet, die unter anderem das Musikfestival "Vogel der Nacht" in Bensheim organisiert. Für viele Menschen in der Stadt ist Hegenbarth nach wie vor mit der Eventbranche verbunden - auch wenn er die Agentur inzwischen abgegeben hat und betont, dass er auch Erfahrung als Berater für Städte und Gemeinden hat.

Harry Hegenbarth hält ein Plakat in die Höhe
Harry Hegenbarth mit einem von mehr als 250 bunten Wahlplakaten. Bild © Harry Hegenbarth

Sein Motto: "Harry can"

Für seinen Wahlkampf hatte sich Hegenbarth einiges einfallen lassen, getreu seinem Leitspruch: "Harry can". Was er damit meint, erklärt er vor seinem Wahlkampfbüro in der Bensheimer Innenstadt: "Dass man ins Machen kommt und so lange nach Lösungen sucht, bis etwas geht."

Hegenbarth fiel in den vergangenen Wochen immer wieder mit kreativen Aktionen auf, die er auch in den sozialen Medien thematisierte: Er bot "BurgerMeister"-Gespräche an, einen Austausch beim Burger-Essen, und verteilte sich umarmende Gummibärchen unter dem Namen "HarryBros".

Ein KI-Avatar von Hegenbarth stand online rund um die Uhr bereit, um Fragen zu beantworten. Und in der Fußgängerzone bot Hegenbarth kleine runde Käselaibe mit der Aufschrift "Bensheim Camembert" an - angelehnt an seinen Slogan "Bensheim kann mehr".

"Ungewöhnlich große Mobilisierung"

"Das waren wirklich auch witzige Reels, die mir da so begegnet sind", sagt Isabelle Borucki, Politikwissenschaftlerin an der Universität Marburg, über Hegenbarths Social-Media-Wahlkampf. "Die haben eine unglaublich hohe Resonanz hervorgerufen, was eher untypisch ist für einen wahlkämpfenden Kandidaten."

Borucki spricht von einer ungewöhnlich großen Mobilisierung, die Harry Hegenbarth gelungen sei. "Das hat während des Wahlkampfs tatsächlich zu einer Art Bewegung geführt."

Für Borucki ist besonders spannend, dass Hegenbarth zwar mitten aus der Stadtgesellschaft kommt und auch Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Stadtpolitik gesammelt hat, aber erst einmal als politischer Außenseiter dastehen wird: "Ich habe versucht, ähnliche Fälle zu recherchieren und bin gescheitert."

Amtierende Bürgermeisterin hilft bei der Vorbereitung

Die amtierende Bürgermeisterin von Bensheim, Christine Klein (unabhängig), kennt Harry Hegenbarth schon länger. Die 71-Jährige war bei der Wahl nicht noch einmal angetreten. In Kleins Büro im Bensheimer Rathaus war Hegenbarth schon oft - allerdings bisher immer als Gast.

"Es ist dann doch etwas anderes, Bürgermeister von einer Stadt mit 42.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu sein", sagt Christine Klein. Sie will helfen, Harry Hegenbarth auf seine neue Rolle vorzubereiten. Der 47-Jährige soll Verwaltungsseminare und Workshops besuchen, bevor er am 16. Dezember sein Amt antritt.

Ein Bürgermeister ist ein Verwaltungschef

Wie viele der Versprechen Harry Hegenbarth am Ende einlösen kann, müsse sich erst zeigen, sagt Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki: "Ein Bürgermeister ist in erster Linie ein Verwaltungschef. Er muss das Rathaus führen."

Hegenbarth will aber mehr als verwalten. Immer wieder hat er im Wahlkampf betont, handeln zu wollen. Doch er räumt ein: "Ich habe Respekt vor den vorhandenen Strukturen." Was er an den Strukturen möglicherweise ändern kann, könne er noch nicht sagen. Dafür brauche er erst einen besseren Überblick.

In Bensheim-Auerbach hängt Hegenbarths Unterstützerin Vivian Scott gerade ein großes, pinkes Werbebanner von ihrem Metalltor ab. Die 26-jährige überlegt, ob sie daraus – wie Harry Hegenbarth es angeboten hat – eine Tasche nähen lassen soll. Aber eigentlich würde sie es lieber als Andenken behalten: "Ich glaube, ich habe noch nie so einen Zusammenhalt in Bensheim gespürt wie bei diesem Wahlkampf."

Sendung: hessenschau.de,

Quelle: hessenschau.de

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