350.000 Euro Betrug Mutter soll mit erfundener Krebserkrankung ihres Kindes Spenden kassiert haben

Erst Hautkrebs, dann Metastasen: Eine 42 Jahre alte Mutter aus Gießen soll ihren Sohn als schwer krank ausgegeben haben, um Spenden zu ergaunern. Jetzt steht sie wegen Betrugs im großen Stil vor Gericht.

Collage aus einer Hand mit einem Smartphone, auf dessen Bildschirm die Internetseite gofundme zu sehen ist, ein Foto eines Kindes, das mit einem Schmusetier im Krankenbett liegt, ein Geldteppich und eine ausgeschnittene Justizia.
Eine Mutter aus Gießen soll eine Krebskrankheit ihres Kindes vorgetäuscht haben (Symbolbild). Bild © Screenshot https://www.gofundme.com/de-de/c/start, Adobe Stock, picture-alliance/dpa (Archiv), colourbox.de, Collage: hessenschau.de
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"Schaut nicht weg, jeder Euro hilft", so beginnt 2024 ein Aufruf, der durch die sozialen Medien geht. Eine Mutter bewirbt damit eine Spendenkampagne für ihren angeblich schwer kranken Sohn, der eine Stammzellentherapie benötige. Zu sehen ist auch ein Foto des Kindes: ein Junge im Grundschulalter, der in einem Rollstuhl sitzt.

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Update: Die Mutter hat die Taten eingeräumt. Einen Bericht vom Prozessauftakt am Montag in Gießen finden Sie hier.

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Mittlerweile ist bekannt: Der Junge hatte nie Krebs. Die Mutter muss sich seit Montag vor dem Landgericht Gießen verantworten. Sie soll die angebliche Krankheit ihres Sohnes vorgetäuscht und mit Spendenaufrufen rund 350.000 Euro ergaunert haben. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 13 Fällen erhoben.

Krankheit über Jahre vorgetäuscht

Die Frau soll laut Anklage zwischen September 2021 und Oktober 2024 über verschiedene Internetplattformen um Spenden geworben haben. Bekannt ist außerdem, dass die Frau auch gegenüber Medien von der angeblichen Erkrankung ihres Sohnes berichtete.

2022 behauptete sie gegenüber einer Zeitung: Erst habe ihr Sohn einen seltenen Hautkrebs bekommen, dann habe der Krebs gestreut und Metastasen gebildet. Zwischenzeitlich sei das Kind palliativ versorgt worden, so der Bericht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich um sehr umfangreiche Ermittlungen. Unter anderem habe es eine Wohnungsdurchsuchung gegeben, bei der Unterlagen und Datenträger sichergestellt wurden. Zudem seien zahlreiche Zeugen befragt und Konten ausgewertet worden.

Screenshot eine Facebookeintrags, auf dem ein (verpixeltes Gesicht) Kind im Rollstuhl zu sehen ist. Daneben steht "Hilfe! Schaut nicht weg! Jeder Euro hilft!".
Die Angeklagte soll auf verschiedenen Plattformen um Spenden gebeten haben. Bild © Screenshot Facebook, 28.8.2026

Das Kind sei Anfang 2024 in die Obhut des Jugendamtes genommen worden. Ermittlungen gegen den Vater wurden mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Die einschlägig vorbestrafte 42-Jährige habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Hilfsinitiative: "Bitter enttäuscht und tief verletzt"

Unter den mutmaßlich Geschädigten sind laut Medienberichten auch verschiedene Vereine und Initiativen, darunter die Elterninitiative für krebskranke Kinder Siegen e.V.. Nach eigenen Angaben gab sie mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern an die Frau weiter.

Vereinsvorsitzender Christian Pilz sagte im Gespräch mit der hessenschau, er sei bis heute bitter enttäuscht und tief verletzt. "Besonders als Ehrenamtler, der seit Jahrzehnten wirklich schwer kranke Kinder begleitet, ist es kaum auszuhalten, so etwas zu erleben." Das gespendete Geld hätte sonst anderen Kindern zugutekommen können.

Angebliche Spezialbehandlung in den USA

Pilz berichtete, dem Verein seien glaubwürdig erscheinende Unterlagen vorgelegt worden, darunter Arztbriefe, Krankenhausrechnungen und Flugtickets.

Laut dem Zeitungsbericht aus dem Jahr 2022, in dem sich die Frau für Spenden bedankte, soll die Familie unter anderem zu einer angeblichen Spezialbehandlung in die USA geflogen sein.

Gießener Verein "zutiefst erschüttert"

Auch der Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder Gießen äußerte sich bestürzt über die Vorwürfe. "Für uns als Elternverein ist dieser Fall in vielerlei Hinsicht zutiefst erschütternd", teilte der Verein mit. Man denke auch an das betroffene Kind.

"Darüber hinaus trifft ein solcher Vorfall all jene Vereine, Verbände und Initiativen, die seit Jahrzehnten mit großem ehrenamtlichem Engagement seriöse Spendenarbeit leisten – immer mit dem Ziel, krebskranken Kindern und ihren Familien konkret zu helfen und die Kinderkrebsforschung voranzubringen."

Gerade diese Arbeit sei auf Vertrauen angewiesen, betonte der Verein. "Betrugsfälle untergraben dieses Vertrauen und können dazu führen, dass dringend benötigte Unterstützung ausbleibt."

Prozess wird Monate dauern

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen wurde die Polizei durch einen Hinweis an das Jugendamt auf den Fall aufmerksam. Dort sei aufgefallen, dass die Familie zwar öffentlich um Spenden bat, das Kind jedoch nicht krank war.

Der Prozess wird voraussichtlich bis mindestens Ende Oktober dauern. Laut Landgericht Gießen wurde auch eine psychiatrische Sachverständige zur Untersuchung der Angeklagten beauftragt. Bislang sind neun Verhandlungstage terminiert und 27 Zeugen geladen.

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Redaktion: Rebekka Dieckmann

Sendung: hr1,

Quelle: hessenschau.de

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