Listen
Es ist schwierig mit den Listen. Auf der einen Seite sind sie ein Anker, ein Seeplan in unübersichtlichen Zeiten oder ein Leuchtturm in der trostlosen weite depressiver Phasen.
Auf der anderen Seite können sie zum Käfig werden, den Gitterstäben eines allzu fest geplanten Alltags, oder der monströsen Manifestation übersteigerten Ehrgeizes.
In meinem Gebrauch der Liste zeigte sich irgendwann die Notwendigkeit, die Listen sehr genau zu sortieren.
Am Anfang gab es eine Liste. Diese Liste hieß to-dos und beinhaltete alles. Von nervigen Dringlichkeiten, wie etwa die Steuererklärung, über alltägliche Notwendigkeiten (putzen), Jobs und Aufträge und persönliche Ziele. Für eine Weile ging das ganz gut, aber irgendwann begannen die Herzensprojekte und persönlichen Ziele zu leiden. Der fade Beigeschmack der puren Pflicht färbte langsam aber sicher von ihren Nachbarn auf sie ab.
Die Konsequenz: Nur noch die wirklichen Pflichten landen auf der Liste, die im Übrigen auch nicht länger als endloses Band in einer passenden App geführt, sondern portioniert im Kalender notiert wird.
Das ging ganz gut. Die Herzensprojekte fühlten sich wieder wie Herzensprojekte an. Ein Befreiungsschlag, das Aquarellbild nicht länger zu malen, um mir die eigene Produktivität durch einen Haken bestätigen zu dürfen sondern einfach nur, weil es Spaß macht.
Aber was tun, mit den Impulsen, denen man nicht sofort nachgehen kann? Was tun mit den kleinen, persönlichen Zielen, wie etwa einen Klimmzug schaffen, oder sich endlich dazu überwinden auch mal französisch zu sprechen?
Und da kam die Listenapp wieder ins Spiel. Hier werden all diese Dinge ohne direkte Dringlichkeit gesammelt. Die losen Ideen. Die empfohlenen Bücher und Filme. All das, dem man sich annehmen will, wenn denn gerade mal die Zeit ist. All das, was einfach passieren muss, aber wenn es dann passiert ist, darf man sich auch freuen.
Eine Liste der Sidequests, für die ruhigen Phasen.
