Listen

Apr. 1st, 2019 01:16 pm
purrsuits: (Default)
Listen 
Es ist schwierig mit den Listen. Auf der einen Seite sind sie ein Anker, ein Seeplan in unübersichtlichen Zeiten oder ein Leuchtturm in der trostlosen weite depressiver Phasen. 
Auf der anderen Seite können sie zum Käfig werden, den Gitterstäben eines allzu fest geplanten Alltags, oder der monströsen Manifestation übersteigerten Ehrgeizes. 
In meinem Gebrauch der Liste zeigte sich irgendwann die Notwendigkeit, die Listen sehr genau zu sortieren. 
Am Anfang gab es eine Liste. Diese Liste hieß to-dos und beinhaltete alles. Von nervigen Dringlichkeiten, wie etwa die Steuererklärung, über alltägliche Notwendigkeiten (putzen), Jobs und Aufträge und persönliche Ziele. Für eine Weile ging das ganz gut, aber irgendwann begannen die Herzensprojekte und persönlichen Ziele zu leiden. Der fade Beigeschmack der puren Pflicht färbte langsam aber sicher von ihren Nachbarn auf sie ab. 
Die Konsequenz: Nur noch die wirklichen Pflichten landen auf der Liste, die im Übrigen auch nicht länger als endloses Band in einer passenden App geführt, sondern portioniert im Kalender notiert wird. 
Das ging ganz gut. Die Herzensprojekte fühlten sich wieder wie Herzensprojekte an. Ein Befreiungsschlag, das Aquarellbild nicht länger zu malen, um mir die eigene Produktivität durch einen Haken bestätigen zu dürfen sondern einfach nur, weil es Spaß macht. 
Aber was tun, mit den Impulsen, denen man nicht sofort nachgehen kann? Was tun mit den kleinen, persönlichen Zielen, wie etwa einen Klimmzug schaffen, oder sich endlich dazu überwinden auch mal französisch zu sprechen? 
Und da kam die Listenapp wieder ins Spiel. Hier werden all diese Dinge ohne direkte Dringlichkeit gesammelt. Die losen Ideen. Die empfohlenen Bücher und Filme. All das, dem man sich annehmen will, wenn denn gerade mal die Zeit ist. All das, was einfach passieren muss, aber wenn es dann passiert ist, darf man sich auch freuen. 
Eine Liste der Sidequests, für die ruhigen Phasen. 
 
purrsuits: (Default)
In letzter Zeit muss ich immer wieder an High Fidelity denken, ein Buch das ich sehr langweilig fand, aber zu gleich gute Laune machend, als ich es vor 13 Jahren las. Jedenfalls legt der Protagonist/Erzähler dort ja quasi stündlich Top 5 Listen an und früher schien mir das sehr dumm, sehr überflüssig, und außerdem nicht fair, Erlebtes oder Konsumiertes in einer hierarchisch wertenden Form zu dokumentieren.
Inzwischen frage ich mich aber doch, ob es nicht (gerade als schaffende Person), durchaus sinnvoll ist, die einflussreichen Dinge im eigenen Leben derart zu sortieren, zu archivieren. Die Liste als Bestandsaufnahme statt Gebot.

Wie ist das bei euch? Habt ihr solche Listen?
Was sind eure Top 5 - Bücher, Serien, Filme, Urlaubserinnerungen, Begegnungen, Aufwachmomente, Tropes, Duftkerzengerüche ... ?
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Es gibt so Sätze, die kriegt man immer zu hören, wenn man irgend etwas kreatives macht.
Zum Beispiel:

"Du musst wissen was du willst!"

Und das ist ein guter Satz (nicht nur fürs Kunst machen). Aber er ist auch sehr missverständlich.
Was heißt das schon, zu wissen was man will?
(Was folgt, ist für mich Wahrheit, aber mag für andere anders sein - tatsächlich wäre ich sehr neugierig auf etwaige Differenzen.)

Eine naheliegende Übersetzung dieser Aufforderung könnte sein "Du musst wissen, was das Ergebnis sein soll!" - aber bei genauerer Untersuchung stellt sich dieser Ratschlag als Sackgasse heraus.
Eine all zu fixe Idee von dem, was am Ende der Arbeit als Ergebnis herauskommen soll ist mehr Hemmschuh als Motor. Das hypothetische, vorgestellte Ergebnis wird immer so viel grandioser, so viel besser sein, als jede wirkliche Arbeit. Jeder Abgleich mit dem gesetzten Ziel wird nur zeigen, dass die Arbeit zum Scheitern verurteilt ist.

Eine andere Übersetzung könnte sein "Du musst wissen, was du bei deinem Publikum bewirken willst."
Zum Beispiel, könnte es eine Geschichte sein, mit der ich meine Leser traurig machen will.
Das mag auch funktionieren. Aber verführt ein all zu großes Augenmerk auf die Wirkung einen nicht unweigerlich zu Effekthascherei? Anstatt etwas zu erschaffen, das aus sich heraus die gewünschte Wirkung besitzt, kann man sich ebenso darin verlieren Illustrationen zu schaffen, die nicht mehr kommunizieren als "Das soll jetzt so wirken!". Es wohnt dieser Übersetzung das Risiko inne aus dem "show" ein "tell" zu machen, weil der Fokus so sehr auf das was erzählt werden soll gerückt wird, anstatt auf dem Gegenstand der Erzählung zu bleiben.

Meine derzeitig ideale Übersetzung lautet "Warum willst du das hiermachen?".
Anstatt einer Geschichte die Frage zu stellen, was ich mit ihr erzählen will, frage ich mich, warum.
Was hat mich zu dieser Idee inspiriert, was bewegt, was berührt, was interessiert mich so sehr, dass es mir eine intensive Auseinandersetzung wert ist?
Die Frage nach dem Effekt der Arbeit wird damit am Rande mit-beantwortet, denn bestenfalls wird mein Interesse auf mein Publikum überspringen. Die Frage nach der Gestalt meiner Arbeit wird dagegen bewusst offen gelassen, in dem Vertrauen dass Inhalt und Material größer sind als ich, und wenn ich mich nur wirklich auf sie einlasse, eine Gestalt aus ihnen erwachsen wird, die ich mir so gar nicht vorstellen kann.
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An einem Montag in Bochum begegnete ich der dortigen Montags-Demo.
Eine Tradition, die mir erst in Leipzig bekannt wurde, als man sich mit vielen vielen zusammen fand um gegen die Legida-Demonstranten Flagge zu zeigen. Ich selbst war auf keiner dieser Gegendemos. Als Ausrede würde ich mein Unbehagen in großen Menschenmengen nennen. Eine Ausrede, die selbstredend nur dann legitim ist, wenn alle anderen um einen herum (und ihr Hund), sich vor Begeisterung kaum halten können, endlich für etwas konkretes, sinnvolles demonstrieren zu können, und auch ganz brav und couragiert auf die Straße gehen.

Nach Stuttgart kam ich zu spät, um von den Montagsdemos mehr als ein paar traurige Reste zu erleben.
Ein einsamer Mensch, der jeden Montag mit Gasmaske und Feinstaub-Warnschild um den Hals durch die Innenstadt spaziert, eine kleine Gruppe in Warnwesten, die über die Baustelle schlurfen und stoisch den Erhalt des Kopfbahnhofs beschwören.

In Bochum bewegte die Montagsdemo sich gar nicht vom Platz. In Bochum bestand sie aus einem Mikrofon und einer Gruppe von fünf Menschen, jeder mit einem eigenen Transparent für eine eigene Sache. Jedes Transparent durfte einmal ans Mikrofon treten und dann erklären, warum die Massentierhaltung, die EU, die Erneuerbaren Energien, die Atomkraft oder vielleicht doch noch immer die Agenda 2010 die Wurzel allen Übels wäre.
Zwischendurch trat ein Mann mit graublondem Dreitagebart mit seiner Gitarre vor und sang leiernd alte Liedermacherklassiker. Aber kaum einer der Passanten blieb stehen.
Die einzigen treuen Zuhörer der Demonstranten waren die anderen Demonstranten selbst.
Da waren sie alle geeint, die fünf oder sechs Demonstranten mit ihren sich widersprechenden Standpunkten, in dem gemeinsamen Wunsch, einmal den eigenen Unmut mit der Welt in ein Mikrofon sprechen zu dürfen.
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Es gibt wenige Themen, die mich in den letzten Monaten so sehr beschäftigten wie das "Rücksicht nehmen".
Dieses Konzept, das uns all zu gerne als Tugend verkauft wird.
Wir müssen lernen, auf die Bedürfnisse der anderen Rücksicht zu nehmen.
Und da mag auch einiges wahres dran sein. Aber. Diese Forderung nach Rücksicht, als stünde es jedem zu, dass auf alles immer Rücksicht genommen wird -- ist doch nahezu kindisch.

Fangen wir aber vorne an. Nämlich bei der Frage, was ist Rücksicht eigentlich, oder was ist sie nicht?

Wenn man sich das Wort "Rücksicht" genau ansieht, beschreibt es ein Bild. 
Ein Bild in dem mindestens zwei Menschen hinter einander her laufen und der Vordere den jeweils Hinteren stets mit im Blick behält.
Dieses im Blick behalten impliziert ein gewisses Machtgefälle.
Anders als die Umsicht, die das Umsichtige Individuum auffordert, die möglichen Konsequenzen des eigenen Handelns mit zu denken und wahrzunehmen, geht es bei der Rücksicht um ein anderes Individuum. Ein Individuum, dem in jenem Punkt, in dem die Rücksichtnahme statt findet, die selbstständige Wirkmacht abgesprochen wird. 
Das kann in manchen Situationen durchaus angemessen sein. Wenn es beispielsweise um die Frage geht, ob ich beim Kochen für Freunde die Essgewohnheiten oder Unverträglichkeiten meiner Gäste berücksichtige. 

Allerdings muss ich dafür die Bedürfnisse meiner Gäste zunächst kennen. 

Oft wird aber Rücksicht verlangt, wo sie überhaupt nicht möglich ist, weil der spezifische Rahmen fehlt. 
Putative Rücksicht, quasi. Dieses könnte sie verletzen, jenes könnte ihm unangenehm sein. 
Oder umgekehrt, noch viel schlimmer, wenn Menschen verlangen das man Rücksicht auf Schwächen ihrerseits nimmt, ohne dass sie besagte Schwächen vorher kommuniziert haben.

Und da sind wir wieder beim Machtgefälle.

Der Rücksichtnehmende unterstellt seinen Opfern schließlich, dass sie nicht auf sich selbst aufpassen können.
Der Rücksichtfordernde, unterstellt sich selbst, seinen Mitmenschen hilflos ausgeliefert zu sein.

Mit anderen Worten. Während die Berücksichtigung konkreter Wünsche oder Bedürfnisse durchaus ihre Berechtigung hat, ist die bloße Rücksichtnahme möglicherweise ein respektloses Verbrechen gegen die Eigenverantwortung.

CampNaNo

Mar. 14th, 2018 11:31 pm
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After the very inspiring effect of the "write one piece about one subject every day for one month"-experiment, I am quite keen to try it again, only this time with a subject I choose for myself. 
CampNaNo seems like a good opportunity, especially since it would be possible to set a low wordcount-goal.
However, trying to pick one subject is turning out harder than expected. Or even, to figure out whether I want to write something novel-like or add to my stash of short-stories or collect ideas for future theatre-productions? (Though those questions probably could wait to be answered while I write.)

What about you? Anyone planning to attent CampNaNo this April? And if so, what do you plan to write?

Old Things

Feb. 11th, 2018 10:13 am
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A week ago, or so, I asked my mother to send me my old lap-top. The one which only got replaced because, while trying to install some kind of Windows-Emulator to help me use a software required for a job, I poured water over it - ruining its keyboard. The job close at hand and the knowledge, that I'd be paid enough to justify buying a new Notebook, I did just that.

Now the old Notebook is operating with an external keyboard, and is doing fine, so far. I'm rather keen on seeing if Krita still runs smoothly on it, since setting up the desktop-pc every time I want to paint digitally more often than not makes me not paint at all.

It's funny how technology is actually one of the few things I feel remorse for. Like, not even dying plants give me that sense of having let someone down. Possibly because plants, like all living things, are destined to die at one point or the other anyway.
Technology, on the other hand, gives the impression that it could be eternal, if only handled with enough care. Which, of course, is nonsense. There are the laws of physics to take care of the mortality of inanimate objects.
Still, seeing how this Notebook, the one I'm writing on right now, could still be perfectly functional, if only I'd take the time to replace some parts, makes me feel incredibly guilty.

Update: Krita works fine and I am very tempted to do our semester-break-assignment of drawing 6 auto-portraits, turning ourselves slowly into animals, digitally. Which will probably annoy the hell out of my traditional fine-arts-teacher.

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